DiGA-Markt 2025/2026 in Deutschland: Zahlen, Nutzung & Herausforderungen

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Regelversorgung in Deutschland. Seit ihrer Einführung im Jahr 2020 hat sich ein eigenständiger DiGA-Markt entwickelt, der zunehmend an Relevanz gewinnt.

Dieser Beitrag gibt einen aktuellen Überblick über den DiGA-Markt 2025/2026 (Stand: Juli 2026), von Marktstruktur über Nutzung bis hin zu zentralen Herausforderungen für Hersteller digitaler Gesundheitsanwendungen.

1. Marktübersicht: Anzahl & Struktur der DiGA 

Aktuell sind 60 DiGA im DiGA-Verzeichnis des BfArM gelistet, davon 50 dauerhaft und zehn vorläufig. Seit 2020 wurden insgesamt 78 digitale Gesundheitsanwendungen aufgenommen, von denen einige nach der Erprobungsphase oder auf Antrag des Herstellers wieder aus dem Verzeichnis gestrichen wurden.

Die Marktdynamik der DiGA hat sich im Laufe der Jahre verändert. Während im Jahr 2021 mit 18 neu auf den Markt gebrachten DiGA der Höchststand erreicht wurde, nimmt die Anzahl der jährlich neu veröffentlichten DiGA seit 2023 kontinuierlich ab.

Der Markt scheint sich damit von einer frühen Wachstumsphase in eine Phase der Konsolidierung zu bewegen.

Thematische Schwerpunkte 

Die gelisteten DiGA lassen sich u. a. folgendermaßen einteilen: 

  • Psychische Gesundheit: 30 DiGA 
  • Muskeln, Knochen & Gelenke: 8 DiGA 
  • Geschlechtsorgane, Nieren und Harnwege: 6 DiGA 
  • Hormone und Stoffwechsel: 6 DiGA 
  • Nervensystem: 4 DiGA 
  • Krebs: 2 DiGA 
  • Herz und Kreislauf: 2 DiGA 
  • Ohren: 2 DiGA 
  • Sonstiges: 2 DiGA 
  • Verletzung: 1 DiGA  
  • Verdauung: 1 DiGA 

Gelistet sind aktuell zehn DiGA, die noch nach der alten MDD in der Risikoklasse I eingestuft wurden. Weitere 45 DiGA sind nach der neueren Verordnung der Risikoklasse MDR I (Medical Device Regulation) zugeordnet. Beide Einstufungen beschreiben ein niedriges Risiko. In der Risikoklasse MDR IIa wurden fünf DiGA eingestuft, sie weisen ein mittleres Risiko auf. Für die noch nach MDD zertifizierten DiGA gelten die Übergangsregelungen nach Artikel 120 MDR. Sofern die dort festgelegten Voraussetzungen erfüllt sind, können diese Anwendungen noch bis zum 31. Dezember 2028 auf Basis ihrer bisherigen Zertifizierung am Markt bleiben.

2. Listung, Erstattung & Persistenz 

Ein Blick auf die bisherige Entwicklung des DiGA-Verzeichnisses verdeutlicht, wie sich der Markt in den vergangenen Jahren entwickelt hat: 

  • Ca. 64 % der Anwendungen wurden dauerhaft gelistet
  • Ca. 24 % haben ihre Erstattungsfähigkeit verloren  
  • Ca. 12 % befinden sich in der vorläufigen Erprobung 

Diese Zahlen zeigen, dass der DiGA-Markt zunehmend reifer geworden ist. Der Großteil der vorläufig aufgenommenen DiGA schafft die dauerhafte Listung. Für diese ist der Nachweis eines positiven Versorgungseffekts erforderlich. Die vorläufige Aufnahme in das DiGA-Verzeichnis ist aber kein einmaliger Meilenstein, sondern der Beginn eines Prozesses, in dem sich Anwendungen langfristig bewähren müssen. Gelingt dieser nicht oder werden andere Voraussetzungen für die Erstattungsfähigkeit nicht mehr erfüllt, wird eine DiGA wieder aus dem Verzeichnis gestrichen.

Für die dauerhafte Aufnahme müssen DiGA ein sehr hohes Evidenzniveau und eine klinisch relevante Überlegenheit zur Regelversorgung nachweisen. Nicht jede Anwendung schafft den Übergang von der vorläufigen in die dauerhafte Listung. Entscheidend sind nicht nur eine innovative Idee, sondern vor allem belastbare Evidenz, ein überzeugender medizinischer Nutzen und die erfolgreiche Umsetzung regulatorischer Anforderungen.

3. Nutzung & Verordnung von DiGA

Der aktuelle DiGA-Report des SVDGV analysiert die Verordnungen und die Nutzung von DiGA im Zeitraum vom 1. Oktober 2020 bis zum 31. Dezember 2025. Bis Ende Dezember 2025 wurden demnach mehr als 1,6 Millionen DiGA-Freischaltcodes eingelöst.

Bis zum 31. Dezember 2025 wurden von den verordneten DiGA 82% der Freischaltcodes eingelöst, 18% blieben daher ungenutzt. Die Zahlen zeigen damit eine weiterhin dynamische Entwicklung und eine deutliche Zunahme der Inanspruchnahme in den vergangenen Jahren.

Der Frauenanteil unter den Nutzenden bleibt mit 74% weiterhin hoch. Mögliche Gründe könnten unter anderem indikationsspezifische Anwendungen, etwa im Bereich gynäkologischer Erkrankungen, die sich ausschließlich an Frauen richten.

Hinsichtlich der Altersverteilung nutzen Erwachsene aller Altersgruppen DiGA-Angebote. Den größten Anteil stellt die Altersgruppe der 55- bis 60-Jährigen, was jedoch auch die generelle Altersstruktur der Bevölkerung widerspiegelt.

87% aller genutzten DiGA im Jahr 2025 wurden von Vertragsärztinnen und -ärzten bzw. Vertragspsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten verordnet. Die verbleibenden 13% wurden direkt durch die Krankenkassen genehmigt.

4. Herausforderungen im Markt 

Trotz wachsender Nutzung stehen Hersteller digitaler Gesundheitsanwendungen weiterhin vor strukturellen Herausforderungen: 

Evidenz & Studienqualität: 

DiGA müssen klinische Evidenz in RCT-Studien nachweisen, was zeit- und kostenintensiv ist.

Interoperabilität & Systemintegration:

Die technische Einbindung in Telematikinfrastruktur, eRezept-Prozesse und ePA ist komplex.

DiGA-Vertrieb:

Die DiGA in der Fläche bei Ärzten bekannt zu machen und über DiGA aufzuklären, um diese als Verordner dauerhaft zu gewinnen ist eine große Herausforderung für viele Hersteller.

Fazit

Der DiGA-Markt 2025/2026 ist daher geprägt von Wachstum und zunehmender Nutzung. Durch hohe Anforderungen an Evidenz und Integration, wird es für DiGA nicht einfacher, daher entwickelt sich der Markt von der frühen Wachstumsphase langsam hin zu einer Konsolidierungsphase.  

Für Hersteller bedeutet das, dass strategische Planung, klare Evidenz und eine strukturierte Versorgungsintegration, sowie eine tiefe Sales-Expertise heute zentrale Erfolgsfaktoren sind.

Quellen

  1. DiGA-Report 2024: gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/krankenversicherung_1/telematik/digitales/2024_DiGA-Bericht_final.pdf 
  2. DiGA-Report 2025: 2025_DiGA_Bericht_GKV_SV 
  3. DiGA-Bericht des SVDGV: DiGA-Report 2025 
  4. BfArM DiGA-Verzeichnis  

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