Die Gründungsgeschichte von PrehApp: Wie aus einer Idee am Küchentisch ein Digital-Health-Unternehmen wurde 

Die besten Gründungsideen entstehen nicht immer im Konferenzraum oder während eines Strategieworkshops. Manchmal beginnen sie dort, wo Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven zusammenkommen und offen über Probleme sprechen, wie zum Beispiel am Küchentisch. 

Genau dort nahm die Geschichte von PrehApp ihren Anfang. 

Eine Beobachtung aus dem Klinikalltag 

Im Jahr 2017 trafen sich ehemalige Studienfreunde und frühere Mitbewohner privat. Was als geselliger Abend begann, entwickelte sich zu einem Gespräch über den medizinischen Alltag. Einer von ihnen war Maximilian Schenke, Orthopäde in einer Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie. 

Er berichtete von einer Beobachtung, die ihn seit längerer Zeit beschäftigte. Patientinnen und Patienten, die ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk erhielten, wurden medizinisch auf höchstem Niveau operiert. Doch vor der Operation und insbesondere nach der Entlassung aus der Klinik fehlte häufig eine strukturierte Begleitung. 

Viele Betroffene hatten offene Fragen, wussten nicht genau, welche Übungen sie durchführen sollten oder erhielten wichtige Informationen erst dann, wenn sie eigentlich schon längst benötigt wurden. Gerade außerhalb des Klinikaufenthalts entstand eine Versorgungslücke, die sich unmittelbar auf den Behandlungsverlauf auswirken konnte. 

„Better in, better out“

Das medizinische Wissen ist längst vorhanden. Internationale Studien und Versorgungskonzepte, insbesondere aus den Niederlanden, zeigten bereits, dass eine gezielte Vorbereitung auf eine Operation die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Genesung verbessern kann. Denn gut informierte Patienten und Patientinnen wissen nicht nur, wie sie sich optimal auf die Operation vorbereiten können, sondern auch, wie sich für eine gute Genesung verhalten sollen. Das Prinzip dahinter ist ebenso einfach wie überzeugend: „Better in, better out.“ Wer körperlich, mental und organisatorisch gut vorbereitet in einen Eingriff geht, schafft häufig bessere Voraussetzungen für den anschließenden Heilungsverlauf. 

Für das spätere Gründerteam stellte sich deshalb schnell eine entscheidende Frage: Warum begleiten wir Menschen nicht genauso gut vor und nach einer Behandlung, wie wir sie währenddessen medizinisch versorgen? 

Denn nicht das medizinische Wissen fehlte, sondern ein Weg, dieses Wissen strukturiert, verständlich und genau zum richtigen Zeitpunkt für den Patientinnen und Patienten zur Verfügung zu stellen. 

Von der Idee zum ersten Prototyp 

Aus dieser Erkenntnis entstand die Idee, die perioperative Begleitung digital abzubilden. 

Ziel war es, Patientinnen und Patienten vor und nach einer Hüft- oder Knieendoprothesenoperation mit genau den Informationen, Übungen und Handlungsempfehlungen zu versorgen, die sie in ihrer jeweiligen Behandlungsphase tatsächlich benötigen. 

Schon früh wurde klar, dass eine solche Lösung nur dann erfolgreich sein kann, wenn unterschiedliche Fachrichtungen zusammenarbeiten, um die Expertise auch optimal einzubringen.  

Zwischen 2017 und der Unternehmensgründung Anfang 2019 entwickelten Freunde, Bekannte und fachliche Wegbegleiter gemeinsam erste Konzepte und Prototypen. Medizinische Expertise traf dabei auf therapeutisches Wissen, sportwissenschaftliche Ansätze, Softwareentwicklung, juristische Kompetenz und unternehmerisches Denken. 

Ein Gründerteam mit unterschiedlichen Perspektiven 

Aus der zunächst losen Projektgruppe entstand Schritt für Schritt ein festes interdisziplinäres Gründerteam. 

Zu den Gründungsmitgliedern der PrehApp GmbH gehörten: 

  • Maximilian Schenke (Orthopädie) 
  • Milena Sokoliuk (Physiotherapie) 
  • Michael Benz (Sportwissenschaft) 
  • Dr. Matthias Müller (Recht) 
  • Fabian Schwarz (Wirtschaftsgeografie) 
  • Hannes Stadler (Softwareentwicklung) 


Viele kannten sich bereits aus dem Studium, aus früheren Wohngemeinschaften oder über gemeinsame Freunde. Diese langjährigen persönlichen Beziehungen bildeten von Anfang an eine wichtige Grundlage für Vertrauen, Offenheit und die enge Zusammenarbeit. 

Bis heute prägt genau diese Interdisziplinarität die Entwicklung von PrehApp. Medizinische, therapeutische, technische, juristische und wirtschaftliche Perspektiven werden bewusst zusammengeführt, um digitale Lösungen zu entwickeln, die sowohl wissenschaftlich fundiert als auch alltagstauglich sind.

Die Gründung der PrehApp GmbH 

Im Januar 2019 wurde aus dem gemeinsamen Projekt schließlich ein Unternehmen: die PrehApp GmbH. 

Die ursprüngliche Mission war klar definiert: Versorgungslücken schließen und Patientinnen und Patienten vor und nach medizinischen Eingriffen besser begleiten. 

Dabei stand nicht die Digitalisierung als Selbstzweck im Mittelpunkt. Vielmehr sollte sie ermöglichen, medizinisches Wissen genau dann bereitzustellen, wenn es gebraucht wird und das ganze verständlich, strukturiert und individuell auf den jeweiligen Behandlungsverlauf abgestimmt. 

Ein strategischer Wendepunkt 

Mit der Einführung des DiGA-Fast-Tracks eröffneten sich neue regulatorische Möglichkeiten für digitale Gesundheitsanwendungen in Deutschland. 

Für PrehApp wurde schnell deutlich, dass das ursprüngliche Produkt zwar medizinisch sinnvoll war, die Vermarktung jedoch schwierig sein würde und es sich nicht optimal für die neuen Anforderungen des DiGA-Systems eignete. Daher entschied sich das Gründungsteam für einen strategischen Richtungswechsel im Unternehmen.  

Gemeinsam mit der Deutschen Kniegesellschaft entwickelte das Team eine digitale Gesundheitsanwendung für Patientinnen und Patienten mit vorderem Knieschmerz. Damit wurde der ursprüngliche Ansatz der digitalen therapeutischen Begleitung auf ein neues Anwendungsgebiet übertragen, das sich optimal mit den regulatorischen Anforderungen an eine DiGA verbinden ließ. 

Dieser Schritt markierte einen wichtigen Meilenstein in der Unternehmensentwicklung und legte den Grundstein für den heutigen Fokus auf digitale Therapeutika. 

Was sich bis heute nicht verändert hat 

Seit der Gründung hat sich vieles weiterentwickelt, Produkte, regulatorische Rahmenbedingungen und das Unternehmen selbst. 

Unverändert geblieben ist jedoch die zentrale Überzeugung: Digitale Lösungen entfalten ihren größten Nutzen dann, wenn sie dort unterstützen, wo Menschen im Versorgungsalltag Orientierung, Wissen und therapeutische Begleitung benötigen. 

Die ursprüngliche Idee vom Küchentisch begleitet PrehApp deshalb bis heute, medizinisches Wissen und Therapie nicht nur verfügbar zu machen, sondern es genau im richtigen Moment in den Alltag der Patientinnen und Patienten zu bringen. 

Ein Blick nach vorn 

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens entwickelt sich rasant weiter. Digitale Therapeutika, evidenzbasierte Gesundheitsanwendungen und eine stärker personalisierte Versorgung werden in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. 

Das Ziel bleibt, Versorgungslücken zu schließen und gemeinsam mit medizinischen Fachgesellschaften, und Partnern aus Wissenschaft und Industrie digitale Lösungen zu entwickeln, die einen messbaren Mehrwert für Patientinnen und Patienten schaffen.  

Was 2017 als Gespräch unter Freunden an einem Küchentisch begann, ist heute zu einem Digital-Health-Unternehmen mit einer klaren Mission geworden. Und auch wenn sich seitdem vieles verändert hat, ist der Ausgangspunkt derselbe geblieben: genau hinzuschauen, wo Versorgung besser werden kann und gemeinsam evidenzbasierte Lösungen zu entwickeln, die im Alltag der Patientinnen und Patienten einen bedeutenden Unterschied machen. 

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